Monatsarchiv :

Mai 2026

Pausen sind wichtig

Pausen sind wichtig 150 150 Kerstin Döring

So ein Job als Nachrichtenmoderator ist doch bestimmt locker, sagte mein Mann neulich beiläufig, als wir Tagesthemen schauten. Das sehe ich anders, sagte ich entrüstet:

Alles, was leicht, charmant und selbstverständlich rüberkommt, ist das Ergebnis sorgfältiger Vorbereitung, viel Übung und Erfahrung. Es zeugt von einer professionellen Haltung und Kompetenz. 

Ich bin zwar keine Fernsehmoderatorin, aber auch ich spreche in meiner Seminar-Arbeit vor und mit Menschen, ich heiße sie willkommen, ich moderiere, vermittle, fasse zusammen, erkläre, frage, motiviere, ermutige und beziehe mich. Ich hole ab, nehme wahr, halte und lese den Raum. 

Auch all das wirkt leicht und souverän, locker, selbstverständlich und nicht wie Arbeit. Das bekomme ich oft als Rückmeldung.

Aber eine Atmosphäre von Leichtigkeit und Mühelosigkeit herzustellen IST Arbeit. 

Sie fällt nicht einfach vom Himmel, erst recht nicht, wenn man menschlicherweise mal einen schlechten Tag hat, weil man kaum geschlafen hat, Stress mit dem Partner hat oder weil einem schlichtweg eine Laus über die Leber gelaufen ist. 

Leichtigkeit und Charme haben dann mit Disziplin, Persönlichkeit und Haltung zu tun. 

Was ich eigentlich sagen will:

Leichtigkeit ist ein Job.

Leichtigkeit wurde erarbeitet und gut vorbereitet.

Self as Instrument ist eine Aufgabe. 

Arbeit mit Menschen kostet Kraft.

Und um souverän, fundiert und menschlich meinen Job vor und mit Menschen machen zu können, brauche ich ab und zu eine Pause. Nur dann kann ich auf Dauer gute Arbeit leisten.

Die letzten Wochen waren rappelvoll mit Präsenz- und Online-Seminaren und Coachings. Es hat mir großen Spaß gemacht, tolle Themen (Kreativität, Empowerment, Resilienz) mit ganz unterschiedlichen Gruppen zu erobern. 

Aber ich bin froh, diese Woche keinen Präsenz-Termin zu haben. Einfach „nur“ Steuer, Angebote, Konzepte, Orga etc. 

Ich freue mich, im stillen Kämmerlein Luft zu holen und vor mich hin zu puzzeln, bevor es dann nächste Woche wieder weiter geht.


#ProfessionelleHaltung #Moderation #Resilienz #Seminarleitung #PausenSindWichtig

Fehlerkultur

Fehlerkultur 150 150 Kerstin Döring

Fehlerkultur war das Thema von zwei Team-Workshops, die ich im Februar 26 für einen sozialen Träger in Hamburg begleitet habe.

In den Workshops schufen wir geschützte Räume, in denen Fehler als Teil von Lernprozessen verstanden werden. 
Jede:r teilte den „Fehler der Woche“, reflektierte, was daraus gelernt wurde, und gab Tipps, wie andere ihn vermeiden können. Ziel: Fehler sind menschlich. Sie gehören dazu und verbinden uns im kollektiven Lernen.

Mit der 5-Warum-Methode analysierten die Teilnehmenden, warum bestimmte Fehler immer wieder passieren. Oft lagen die Ursachen in strukturellen Rahmenbedingungen: Zeitdruck, ständige Unterbrechungen, der Spagat zwischen Routine und Notfallbereitschaft – von epileptischen Anfällen bis zu scheinbar harmlosen Fragen wie „Sehe ich heute schön aus?“ Bei jedem Klingeln muss reagiert werden. All das prägt den Arbeits-Alltag.
Ich war voller Bewunderung, mit wieviel Engagement die Mitarbeitenden in Pflege-Berufen hier täglich an ihre Grenzen gehen.

Wir fragten weiter: Was braucht es? Was kann jede/r beitragen? Wo lassen sich Abläufe verbessern? 
Wir sprachen über Resilienz, innere Antreiber, die Teilnehmenden gaben sich gegenseitig Feedback und feierten Erfolge. Dabei wurde klar, dass es trotz aller Belastung unglaublich viel gibt, worauf die Mitarbeitenden stolz sind und wieviel auch gut läuft.

Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist:

Ein seh- und hörbehinderter Rentner, der als Minijobber Botengänge zu Apotheken und Ärzten erledigt, spielt in einer Leistungsgesellschaft eher keine so bedeutende Rolle.

Aber in der Lebens- und Arbeitswirklichkeit der Initiative sieht das ganz anders aus. Im Laufe des Team-Workshops wurde deutlich:

Dieser ältere, fast blinde Mann ist im stressigen Pflege-Alltag mit seiner großen Freundlichkeit so etwas wie das beherzte Ruhe-Zentrum für viele Team-Mitglieder. Sie überhäuften ihn mit Wertschätzung und Dankbarkeit.

So anrührend zu sehen, wie dieser Mann mit seinem vermeintlich kleinen Beitrag und seinem Dasein so viel Sinnstiftendes für sich und andere in die Gemeinschaft einbringt.

#fehlerkultur #teamworkshop #Pflegealltag #LernenAusFehlern #Teamwork #Resilienz

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